Schwimmen nach Geburt: Das musst du beachten

Nach der Geburt sehnen sich viele Frauen danach, wieder etwas aktiver zu werden. Schwimmen klingt dafür ideal: Das Wasser trägt einen großen Teil des Körpergewichts, die Bewegungen sind gelenkschonend und gleichzeitig wird ein großer Teil der Muskulatur beansprucht.

Ganz unmittelbar nach der Geburt solltest du allerdings noch nicht ins Schwimmbad springen. Dein Körper befindet sich mitten in der Heilungsphase. Wochenfluss, mögliche Geburtsverletzungen oder eine Kaiserschnittnarbe spielen eine wichtige Rolle bei der Frage, wann Schwimmen wieder sinnvoll ist.

Eine pauschale Antwort wie „Nach sechs Wochen darf jede Frau wieder schwimmen“ wäre deshalb zu einfach.

Wann darf ich nach der Geburt wieder schwimmen?

Als Orientierung werden häufig etwa sechs Wochen nach der Geburt genannt. Entscheidend ist jedoch zusätzlich, dass der Wochenfluss aufgehört hat und mögliche Geburtsverletzungen gut verheilt sind.

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) empfiehlt auf seinem Informationsportal familienplanung.de, mit dem Schwimmen etwa sechs Wochen zu warten und erst wieder ins Wasser zu gehen, wenn der Wochenfluss beendet ist. Nach einer komplizierteren Geburt oder einem Kaiserschnitt sollte der Wiedereinstieg individuell ärztlich abgestimmt werden.

Das bedeutet: Nicht der Kalender allein entscheidet, sondern dein individueller Heilungsverlauf.

Wenn du noch Schmerzen hast, dich körperlich nicht bereit fühlst oder bei der Heilung unsicher bist, solltest du mit deiner Hebamme, Ärztin beziehungsweise deinem Arzt sprechen.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, sportliche Belastungen nach einer Geburt schrittweise wieder aufzubauen. Wie unterschiedlich dieser Zeitpunkt sein kann, erklären wir auch in unserem Beitrag über Rückbildung nach der Geburt und den richtigen Zeitpunkt für den Beginn.

Warum sollte ich während des Wochenflusses nicht schwimmen?

Nach der Geburt löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand. An dieser Stelle bleibt zunächst eine Wundfläche zurück. Gleichzeitig werden Blut, Wundsekret und Gewebereste ausgeschieden – der sogenannte Wochenfluss oder Lochialfluss.

Der Wochenfluss verändert sich im Verlauf in Farbe, Menge und Zusammensetzung. Seine Dauer unterscheidet sich von Frau zu Frau. Als durchschnittliche Dauer werden etwa sechs Wochen angegeben, er kann aber auch kürzer oder länger anhalten.

Solange der Wochenfluss noch besteht, solltest du mit dem Schwimmen warten.

Das bedeutet umgekehrt aber nicht, dass nach exakt sechs Wochen automatisch alles wieder erlaubt ist. Entscheidend ist, wie weit die körperliche Heilung tatsächlich fortgeschritten ist.

Schwimmen nach einem Kaiserschnitt

Nach einem Kaiserschnitt kommt ein weiterer wichtiger Faktor hinzu: die Operationswunde.

Ein Kaiserschnitt ist eine Bauchoperation. Auch wenn die Haut äußerlich bereits gut aussieht, benötigen die darunterliegenden Gewebeschichten Zeit zur Heilung.

Mit dem Schwimmen solltest du deshalb warten, bis die Wunde gut verheilt ist und kein Wochenfluss mehr besteht. Bei der Nachsorge kann außerdem beurteilt werden, ob etwas gegen den Wiedereinstieg spricht.

Wenn die Narbe gerötet, geschwollen oder zunehmend schmerzhaft ist, Flüssigkeit austritt oder du andere Auffälligkeiten bemerkst, solltest du nicht schwimmen gehen und die Wunde medizinisch kontrollieren lassen.

Nach einem Kaiserschnitt oder bei Komplikationen während der Geburt ist es sinnvoll, den Wiedereinstieg in sportliche Aktivitäten individuell mit einer medizinischen Fachperson abzustimmen.

Und nach einem Dammriss oder Dammschnitt?

Auch Geburtsverletzungen müssen ausreichend verheilt sein, bevor du wieder schwimmen gehst.

Das gilt insbesondere bei einem Dammriss oder Dammschnitt sowie bei noch nicht vollständig verheilten Nähten.

Hier lässt sich keine sinnvolle allgemeine Anzahl von Tagen nennen. Art und Ausmaß der Verletzung unterscheiden sich erheblich.

Hast du noch Schmerzen, Probleme mit der Wundheilung oder bist du unsicher, ob die Verletzung bereits vollständig verheilt ist, solltest du vor dem ersten Schwimmbadbesuch deine Hebamme oder eine Ärztin beziehungsweise einen Arzt fragen.

Warum Schwimmen nach der Schwangerschaft ein guter Sport sein kann

Wenn dein Körper ausreichend verheilt ist, hat Schwimmen einige Eigenschaften, die für den Wiedereinstieg in Bewegung angenehm sein können.

Der Auftrieb des Wassers reduziert die Belastung durch das eigene Körpergewicht. Gleichzeitig kannst du deine Ausdauer trainieren und zahlreiche Muskelgruppen beanspruchen, ohne bei jedem Schritt Stoßbelastungen abfangen zu müssen.

Das unterscheidet Schwimmen beispielsweise deutlich vom Laufen.

Gerade für Frauen, die sich nach der Schwangerschaft wieder mehr bewegen möchten, kann Schwimmen deshalb eine angenehme Möglichkeit sein, die körperliche Aktivität langsam zu steigern.

Beckenboden beim Schwimmen nicht vergessen

Dass Schwimmen gelenkschonend ist, bedeutet nicht, dass dein Körper unmittelbar nach der Geburt schon wieder vollständig belastbar ist.

Schwangerschaft und Geburt haben insbesondere Beckenboden und Körpermitte beansprucht. Deshalb sollte der Wiederaufbau dieser Bereiche auch dann weitergehen, wenn du bereits mit leichtem Ausdauertraining beginnst.

Achte beim und nach dem Schwimmen beispielsweise darauf, ob Beschwerden wie ein Druck- oder Schweregefühl im Becken, Schmerzen oder ungewollter Urinverlust auftreten.

Solche Symptome sind ein Grund, die Belastung zunächst zu reduzieren und bei anhaltenden Beschwerden fachlichen Rat einzuholen.

So gelingt der Wiedereinstieg ins Schwimmen

Beim ersten Schwimmbadbesuch nach der Geburt musst du nicht dort weitermachen, wo du vor der Schwangerschaft aufgehört hast.

Starte lieber mit einer kurzen Einheit und schwimme zunächst in einem angenehmen Tempo. Beobachte nicht nur, wie du dich unmittelbar im Wasser fühlst, sondern auch, wie dein Körper später auf die Belastung reagiert.

Für den Anfang gilt:

  • lieber kurze als sehr lange Schwimmeinheiten,
  • entspanntes Tempo statt intensiver Intervalle,
  • Pausen machen, wenn du sie brauchst,
  • bei Schmerzen oder Beckenbodenbeschwerden abbrechen,
  • Trainingsumfang schrittweise erhöhen.

Wenn du dich nach dem Training deutlich erschöpfter fühlst als erwartet oder Beschwerden auftreten, war die Belastung möglicherweise noch zu hoch.

Welche Schwimmart eignet sich nach der Geburt?

Eine bestimmte Schwimmart ist nach der Geburt nicht grundsätzlich vorgeschrieben.

Für den Einstieg eignet sich zunächst die Schwimmtechnik, mit der du dich wohlfühlst und die keine Beschwerden verursacht.

Wenn du beispielsweise beim Brustschwimmen Schmerzen im Becken oder Rücken bemerkst, solltest du die Technik wechseln oder die Einheit beenden. Auch sehr intensives Schwimmen ist für den ersten Wiedereinstieg nicht notwendig.

Wichtiger als die Wahl zwischen Brust-, Rücken- oder Kraulschwimmen ist zunächst, dass du dich kontrolliert und schmerzfrei bewegen kannst.

Stillen und Schwimmen – geht das?

Stillen ist grundsätzlich kein Hindernis für sportliche Aktivität.

Auch stillende Frauen können nach ausreichender körperlicher Erholung wieder Sport treiben. Wichtig ist, auf den eigenen Körper zu achten und ausreichend zu trinken.

Manche Frauen empfinden es als angenehmer, kurz vor dem Sport zu stillen oder Milch abzupumpen, weil die Brust dadurch weniger gespannt ist.

Nach dem Schwimmen kannst du chlorhaltiges Wasser einfach abduschen. Bei gesunder Haut sind normalerweise keine besonderen Maßnahmen erforderlich.

Hilft Schwimmen beim Abnehmen nach der Schwangerschaft?

Schwimmen verbraucht Energie und kann langfristig Teil eines aktiven Lebensstils sein. Trotzdem solltest du den Wiedereinstieg nach der Geburt nicht danach beurteilen, welche Sportart möglichst viele Kalorien verbrennt.

In den ersten Wochen und Monaten stehen Regeneration und ein sinnvoller Belastungsaufbau im Vordergrund.

Wenn du später wieder regelmäßig schwimmst, kann die Bewegung zusammen mit einer ausgewogenen Ernährung dazu beitragen, dein Gewicht langfristig zu regulieren. Wie bei jeder Sportart hängt der tatsächliche Energieverbrauch unter anderem von Trainingsdauer, Intensität und individuellen Faktoren ab.

Gerade nach der Schwangerschaft ist ein langsamer Aufbau sinnvoller als der Versuch, möglichst schnell möglichst viel Gewicht zu verlieren.

Schwimmen oder Joggen nach der Geburt?

Beide Sportarten können langfristig wieder möglich sein. Die Belastungen unterscheiden sich jedoch deutlich.

Beim Schwimmen trägt das Wasser einen Teil deines Körpergewichts und es entstehen keine wiederholten Stoßbelastungen durch das Auftreten. Beim Laufen müssen dagegen unter anderem Beckenboden und Rumpf diese Belastungen bei jedem Schritt kontrollieren.

Deshalb kann Schwimmen beim schrittweisen Wiedereinstieg eine geeignete Alternative zum Laufen sein – vorausgesetzt, Wochenfluss und Wundheilung erlauben bereits den Aufenthalt im Wasser.

Wenn du wieder laufen möchtest, findest du die wichtigsten Punkte in unserem ausführlichen Ratgeber zum Joggen nach der Geburt.

Wann sollte ich mit dem Schwimmen noch warten?

Gehe noch nicht schwimmen beziehungsweise unterbrich dein Training und hole dir bei Bedarf medizinischen Rat, wenn du beispielsweise

  • noch Wochenfluss hast,
  • eine noch nicht vollständig verheilte Kaiserschnitt- oder Geburtswunde hast,
  • stärkere oder zunehmende Schmerzen bemerkst,
  • Anzeichen einer Wundinfektion auftreten,
  • Fieber oder ausgeprägtes Krankheitsgefühl hast,
  • beim Training ein deutliches Druck- oder Schweregefühl im Becken bemerkst oder
  • andere ungewöhnliche Beschwerden auftreten.

Auch stärkere oder plötzlich wieder zunehmende Blutungen nach der Geburt sollten medizinisch abgeklärt werden.

Fazit: Nicht nur die Anzahl der Wochen entscheidet

Auf die Frage „Wann darf ich nach der Geburt wieder schwimmen?“ gibt es keine einzige Wochenzahl, die für jede Frau passt.

Als Orientierung werden etwa sechs Wochen genannt. Gleichzeitig sollte der Wochenfluss beendet sein und mögliche Geburtsverletzungen müssen gut verheilt sein. Nach einem Kaiserschnitt oder einer komplizierteren Geburt ist eine individuelle Abstimmung sinnvoll.

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind und du dich körperlich gut fühlst, kann Schwimmen eine angenehme Möglichkeit sein, wieder mit gelenkschonender Bewegung zu beginnen.

Starte langsam und steigere die Belastung nach und nach. Dein Körper muss nach Schwangerschaft und Geburt nicht beweisen, wie schnell er wieder leistungsfähig ist.

Häufige Fragen zum Schwimmen nach der Geburt

Wie lange nach der Geburt darf man nicht schwimmen?

Als Orientierung werden häufig etwa sechs Wochen genannt. Zusätzlich sollte der Wochenfluss vollständig beendet sein und mögliche Geburts- oder Operationswunden sollten gut verheilt sein. Nach einem Kaiserschnitt oder bei Komplikationen sollte der Zeitpunkt individuell abgestimmt werden.

Darf ich während des Wochenflusses ins Schwimmbad?

Mit dem Schwimmen solltest du warten, bis der Wochenfluss vollständig beendet ist. Wie lange der Wochenfluss anhält, unterscheidet sich von Frau zu Frau.

Wann darf ich nach einem Kaiserschnitt wieder schwimmen?

Nach einem Kaiserschnitt sollte die Operationswunde gut verheilt und der Wochenfluss beendet sein. Da sich Heilungsverläufe unterscheiden, ist es sinnvoll, den Zeitpunkt bei der Nachsorge beziehungsweise mit deiner Hebamme oder ärztlichen Fachperson abzuklären.

Kann ich schwimmen gehen, wenn ich noch Fäden habe?

Solange eine Geburts- oder Operationswunde noch nicht vollständig verheilt ist, solltest du mit dem Schwimmen warten. Bei Unsicherheit kann die Wundheilung vor dem ersten Schwimmbadbesuch kontrolliert werden.

Ist Schwimmen nach der Geburt gut für den Beckenboden?

Schwimmen verursacht im Gegensatz zum Joggen keine wiederholten Stoßbelastungen durch das Auftreten und kann daher eine angenehme Form der Bewegung sein. Es ersetzt allerdings kein gezieltes Rückbildungs- oder Beckenbodentraining. Bei Inkontinenz, Schmerzen oder einem Druckgefühl im Becken solltest du die Beschwerden fachlich abklären lassen.


Gesundheitshinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Heilungsverläufe nach vaginaler Geburt und Kaiserschnitt unterscheiden sich. Bei Wundheilungsstörungen, Schmerzen, stärkeren Blutungen, Fieber oder anderen Beschwerden solltest du medizinischen Rat einholen.